Zinsänderungsrisiken - unkompliziert, valide und zudem noch aussagekräftig rechnen!

09. Februar 2026

Ich bekomme immer wieder den Eindruck, dass wir uns in einer Spirale der Angst zwischen Aufsicht und Banken/ Dienstleistern befinden. Mit zusätzlichen Kapazitäten versuchen wir immer komplexere Modelle in die Welt zu tragen, mit denen die Risiken vermeintlich genauer und besser berechnet werden können. Durch die steigende Komplexität bieten wir den Prüfern mehr Angriffsflächen, die dann wiederrum in Feststellungen münden. Als Reaktion darauf machen wir unsere Modelle noch komplexer und erhöhen das Risiko, da dies vermeintlich den Mangel der Aufsicht lösen soll. Stattdessen ist zu beobachten, dass dieser Weg nur zu mehr Feststellungen führt. Und wir machen weiter, bis die Risikotragfähigkeit nicht mehr gegeben und die Bank tot gerechnet ist.

Dabei liegt die Lösung doch manchmal so nahe und könnte massiv Kapazitäten und Kosten einsparen.

Oberste Bankaufsichtsgremien, namentlich z.B. der Baseler Ausschuss, beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit den Zinsänderungsrisiken von europäischen Banken sowie den möglichen Marktzinsveränderungen. Ihre Auslegungen nehmen Einfluss in unsere Säule I Berechnung und somit auf unsere Eigenmittelausstattung in Form des SREP-Zuschlags.

Ki generierte Darstellung

Nach den Erkenntnissen des RTF-Leitfadens der Aufsicht aus dem Jahr 2018 wissen wir zudem, dass die Säule I einem Konfidenzniveau von 99,9 % entspricht. Daraus abgeleitet heißt dies folglich, dass die Szenarien des früheren Zinsrisikokoeffizienten bzw. des SOT-EVE tauglich sind, um ein Konfidenzniveau von 99,9 % abzubilden. Dies wurde in diesem Jahr auch vom Baseler Ausschuss explizit bestätigt, da er die Szenarien neu validiert hat und im Ergebnis explizit bestätigt hat, dass die neuen Parallelszenarien mit +/- 225 BP sowie die Drehungsszenarien den letzten massiven Zinsanstieg berücksichtigen und einem Konfidenzniveau von 99,9 % entsprechen.

Was heißt das für uns? Lassen Sie uns den gesunden Menschenverstand einschalten und einen pragmatischen Ansatz auch mal mit der Prüfung durchargumentieren, bevor wir weitere Stunden in kompliziertere Modelle und Übergangslösungen zu investieren. Der Baseler Ausschuss macht es uns vor und pragmatische Banken werden dem Ansatz folgen, auf die neuen Szenarien des Baseler Ausschusses umzustellen. Das sind unsere Argumente dafür:

  • Der Baseler Ausschuss validiert regelmäßig die Höhe der Szenarien auf Angemessenheit inkl. des Konfidenzniveaus von 99,9 %. Wir können uns auf diese Validierung stützen und diese für unser Haus als angemessen bestätigen, da wir sie auch in der Säule I für den SREP nutzen.
  • Eine Limitsteuerung ist gezielt möglich, da wir das Teillimit von der strategisch definierten Bucket-Grenze ableiten können.
  • Gleichzeitig wird hierdurch das im RTF-Leitfaden der Aufsucht geforderte Zusammenspiel der ökonomischen und normativen Perspektive gewährleistet.
  • Es handelt sich um stabile Szenarien, die dem Vorstand und Aufsichtsrat bekannt sind und somit eine bessere Steuerung und Steuerungskontinuität des Zinsänderungsrisikos inkl. der Leitplanken der Aussteuerung bekannt ist.
  • Rechenzeiten im Rahmen der Risikoberichterstellung werden reduziert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es uns allen helfen würde, wenn wir wieder stärker einen pragmatischeren Blick auf unsere Risikosteuerung nehmen würden und uns nicht weiter in immer komplexeren, aber nicht mehr erklärbaren Ansätzen verlieren. Die Aufsicht und auch die Bundesprüfer selbst geben uns hierzu bereits deutliche Signale, dass dieser Weg offen steht, wenn wir es begründen.