Ordnung ist das halbe Leben – Aufräumen in VR-Control CBS und KRM

19. August 2026

In deutschen Genossenschaftsbanken gehören VR-Control CBS (Ergebnissteuerung) und VR-Control KRM (Kreditrisikomanagement) seit Jahrzehnten zu den zentralen Workhorses. Sie ermöglichen tiefe, fundierte Auswertungen bis auf Einzelgeschäftsebene des Kundengeschäfts. Doch die enorme Flexibilität der Anwendungen birgt eine Tücke: Über die Jahre wächst der Bestand an individuellen Konfigurationen unaufhaltsam – bis das System kaum noch beherrschbar ist.

1. Das Phänomen des digitalen Messis

Um in VR-Control an die gewünschten Steuerungsinformationen zu gelangen, bietet die Software den Anwendern umfangreiche Stellschrauben: Auswertungsstrukturen, Datenfilter, Berichtsgrößenprofile und abgespeicherte Standardauswertungen können frei kombiniert und abgelegt werden. In vielen Häusern ist die Software mittlerweile seit über 20 Jahren im täglichen Einsatz. Über diesen langen Zeitraum haben sich all diese Einstellungen vermehrt wie die Kaninchen.

Statt die Arbeit zu erleichtern, erschwert dieser historische Wildwuchs bei vielen Banken mittlerweile massiv den Arbeitsalltag. Ein typisches Praxisbeispiel: Weil ein Datenfilter vor Jahren nicht sprechend oder systematisch benannt wurde, findet ein Mitarbeiter den benötigten Filter bei der nächsten Auswertung schlichtweg nicht. Was passiert? Anstatt Zeit in die Suche zu investieren, wird kurzerhand ein neuer Filter angelegt. Dieser ist möglicherweise vollständig redundant zu ein, zwei oder noch mehr bereits bestehenden Filtern. Die Unordnung nährt damit systematisch die Unordnung.

2. Schuldbewusste Blicke und der ewige Aufschub

Spricht man Banken und Fachabteilungen auf dieses Phänomen des „digitalen Messies“ an, reagieren fast alle Verantwortlichen in der Praxis identisch: Sie blicken schuldbewusst zu Boden und entschuldigen sich damit, dass im Tagesgeschäft – zwischen aufsichtsrechtlichen Meldungen, SREP-Anforderungen und Vorstandsunterlagen – schlichtweg die Zeit für solche Aufräumarbeiten fehlt.

Digitale Unordnung ist wie Unordnung im Schrank. Auf den ersten Blick unsichtbar

„Jeder hat irgendwie vor, sich des Themas irgendwann anzunehmen. Aber es macht niemand. Und nächstes Jahr ist die Situation noch schlimmer als heute.“

Das Problem dabei: Mit jedem weiteren Jahr steigen die Komplexität und das Fehlerrisiko bei Auswertungen. Wenn Berichtsgrößen falsch verknüpft oder veraltete Filter in neuen Berichten verwendet werden, leidet im Zweifel die Datenqualität strategischer Vorstandsvorlagen.

3. Wie mühsam ist das Aufräumen wirklich?

Solange die Situation in einer Bank noch nicht vollkommen verfahren ist, lohnt es sich absolut, geordnet Ordnung zu schaffen. Eine wesentliche Hürde ist dabei oft die Befürchtung: „Wer soll all diese Einstellungen bewerten?“

Hier hilft eine klare Rollentrennung: Eine Beurteilung, ob ein spezifischer Fachfilter im Einzelfall für ein Sonderreporting noch benötigt wird oder nicht, kann ein externer Berater im Zweifel nicht alleine treffen. Aber was ein externer Experte sehr wohl effizient beurteilen kann, ist, ob eine Einstellung technisch und strukturell redundant zu einer anderen ist.

Durch eine systematische Analyse lassen sich Dubletten rasch identifizieren und löschen. Zugegebenermaßen zieht diese Aktivität mitunter Folgeaktivitäten nach sich: Wenn eine gelöschte Doublette beispielsweise in einer regelmäßig genutzten Standardauswertung verbaut war, muss diese Standardauswertung im Anschluss auf den verbleibenden Master-Filter angepasst werden. Doch dieser Einmalaufwand rechnet sich rasch durch deutlich schlankere Prozesse.

Praxis-Tipp: Das Ausmisten ohne den „Hausbewohner“

Wie beim Ausräumen eines Messie-Hauses ist es meist eine sehr gute Idee, den eigentlichen Anwender der Software beim ersten groben Ausmisten gar nicht erst dabei zu haben. Sätze wie „Vielleicht brauche ich das noch“, „Das könnte die Kollegin aus der Marktfolge gebrauchen“ oder „Das erscheint mir auf den ersten Blick ganz nützlich“ erschweren den notwendigen Kahlschlag massiv.

4. Radikales Tabula Rasa statt ewiger Bedenken

In der Praxis zeigt sich: Es ist essenziell besser, lieber etwas zu viel zu löschen und bei absolutem Bedarf ein Profil geordnet und mit sauberer Bezeichnung neu anzulegen, als vorsichtshalber dutzende veraltete Berichtsgrößenprofile, Datenfilter und Standardauswertungen im System aufzuheben.

Auch wenn es im ersten Moment schmerzhaft erscheint: Im Zweifel ist es deutlich einfacher und schneller, radikal Tabula Rasa zu machen und anschließend mit Verstand und Sparsamkeit saubere Grundstrukturen wiederherzustellen, als sich jede einzelne historische Einstellung im Detail anzuschauen, zu diskutieren und manuell zu bewerten.

5. Die Governance danach: Systematisch neu anlegen

Der nachhaltige Erfolg einer Aufräumaktion steht und fällt mit den Regeln für die Zukunft. Direkt nach dem Ausmisten muss bei jeder Neuanlage von Parametern strikt und systematisch vorgegangen werden:

  • Sprechende Nomenklatur: Inhalt und Verwendungszweck neu angelegter Parameter müssen für jeden Anwender auf den ersten Blick verständlich sein. Was sich hinter einer Bezeichnung wie Max_Müller_Auswertung_v2 an Berichtsgrößen und Filtern verbirgt, weiß nach einem halben Jahr selbst Max Müller nicht mehr.
  • Einheitliche Kürzel: Nutzung klarer Präfixe (z. B. STICHT für Stichtagsbearbeitung oder TEMP für ohne Rücksprache löschbare Parameter).
  • Zentrale Berechtigungs-Governance: Nur definierte Key-User sollten das Recht besitzen, globale Standardauswertungen und Filter dauerhaft abzuspeichern.

6. Wie guides.consulting Sie unterstützt

Wie auch immer Ihre Bank das Thema anpacken möchte: Als spezialisierte Unternehmensberatung für das genossenschaftliche Bankensektor-Toolset bieten wir Ihnen erprobte Best Practices, langjährige Eigenerfahrung und die fachliche Expertise aus zahlreichen Praxisprojekten. Wir wissen exakt, welche Auswertung und welche Parameterstruktur am einfachsten, schnellsten und revisionssichersten zu der von Ihnen gewünschten Steuerungsaussage führt.

Lassen Sie uns gemeinsam den digitalen Wildwuchs in VR-Control CBS und KRM beenden – für mehr Transparenz, höhere Datenqualität und ein stressfreies Arbeiten im Risikocontrolling.

Lars Holzgraefe hat schon als Kind „Aufräumen“ als Hobby angegeben. Eine zweite Leidenschaft gilt der Arbeit mit VR-Control CBS und KRM. Fairerweise sei erwähnt, dass er auch noch andere Interessen hat. Welche dies sind, erzählt er gerne beim digitalen Entmisten Ihrer Datenfilter und Berichtsgrößen-Profile.